vorwort von schlangenbrut 115: dialog der frauen

Dialog der Frauen

Wir sind im Dialog untereinander die Lernenden. Wir bringen uns gegenseitig „radikalen Respekt“ entgegen. Wir sind bereit, darzustellen, woher unsere Meinungen stammen, die Gegenseite zu hören und unsere eigenen Meinungen gegebenenfalls zu revidieren. Jede Tradition hat ihren eigenen Wert, keine ist besser als eine andere.
Dialogprinzipien, zitiert nach: Carola von Braun, Eröffnungsvortrag beim Kongress des Sarah-Hagar-Projektes am 21. Mai 2004 in Berlin (www.berlin-stadtderfrauen.de/sarah-hagar).

Für gelingenden Dialog gibt es keine Rezepte, aber es gibt sinnvolle Regeln, wie sie zum Beispiel im Sarah-Hagar-Projekt entwickelt wurden. Ist Dialog unter Frauen anders? Auf der Beiratssitzung im Januar haben wir diese Frage intensiv diskutiert. Dieses Heft bietet keine fertige Antwort, aber vielfache Aspekte.

Unser erster Beitrag ist aus einem langjährigen Dialog entstanden. Zwei muslimische und zwei christliche Theologinnen haben zu Gebet und Gedenken anlässlich der zehnten Wiederkehr des
11. September 2001 in die St. Petri-Kirche in Dortmund eingeladen. Eine gekürzte Fassung der Interreligiösen Feier zum Nachlesen und Nachahmen finden Sie gleich auf der nächsten Seite.
Erfreulicherweise ist das Gespräch zwischen Frauen aus Judentum, Christentum und Islam in Deutschland und Europa mittlerweile gut verankert. Das zeigt der Bericht über die Interreligiöse Konferenz Europäischer Theologinnen, deren Tagung zum 10jährigen Bestehen Antje Röckemann besucht hat. Eine der Referentinnen dort war Doris Strahm, die für unsere Ausgabe den Interreli­giösen Think-Tank der Schweiz vorstellt, den sie mitgegründet hat.

Interreligiöse und interkulturelle Dialoge lassen sich nicht immer selbst organisieren. Daher möchten wir Sie inspirieren mit einer kleinen und subjektiven Auswahl an Dialog-Tagungen für 2012.
Die weltweite und konfessionsübergreifende Zusammenarbeit von Christinnen hat eine lange Tradition, besonders im Weltverband junger christlicher Frauen (YWCA). Zu seiner langen Geschichte gehört auch eine Tradition des Empowerment für Frauen. Katharina Morello führte mit der amtierenden Generalsekretärin Nyaradzayi Gumbonzvanda ein Interview zu ihren Aufgaben und Zielen. Die Freundschaft zwischen zwei christlichen Frauen aus verschiedenen Ländern ist die Grundlage eines weiteren Beitrags: Hedje Altmaier-Zeidler, eine deutsche Theologin, tauscht sich mit Nermeen Bashier aus Kairo, über die Ereignisse dieses Frühjahrs in Ägypten aus.

Der biblische Beitrag befasst sich mit der Beziehung von Rut und Noomi, die in feministischer Perspektive oft als vorbildliches interkulturelles Verhältnis gedeutet wird. Mit den Augen der süd­afrikanischen Exegetin Musa W. Dube gesehen sind in der Erzählung jedoch auch konftlikthafte
Momente zu entdecken, wie Stephanie Feder aufzeigt.

Durch die Fotos von Vreni Herberg, die den Schwerpunkt bebildern, und den Beitrag von Ute Schulz, beide vom Ökumenischen Frauenzentrum Evas Arche, wird ein ganz praktischer Dialogkontext vorgestellt. Der Interreligiöse Kräutergarten in Berlin ist ein Ort, an dem Frauen aller Religionen Beete anlegen, Unkraut jäten, Kräuter ernten, feiern – und miteinander reden. Die Bibliografie von Vanessa Görtz stellt einige Lesehinweise zu dem umfangreichen Thema zusammen.

Auch wenn Sie das Heft alleine lesen, wir hoffen, dass Sie viele Anregungen für Gespräche und Dialoge mitnehmen oder gar umsetzen können. Und wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen: Der Dialog mit Ihnen, unseren LeserInnen, ist für uns Anregung und Ansporn.

Update 18.1.2012: In einer vorherigen Version dieses Textes wurde Nermeen Bashier irrtümlich als koptische Christin bezeichnet. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen - Die Redaktion

Antje Röckemann/Katrin Berger

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