vorwort von schlangenbrut 112: frauen & fußball

Frauen & Fußball

… lautet der Hefttitel, mit dem wir uns an Frauen als das andere Geschlecht und als Protagonistinnen dieses Sports annähern. Befremdlich mag es für viele wirken, wenn Frauen ihre Position im Volkssport Nr. 1 einfordern, traurig wird es stimmen, wenn Frauen unter unwürdigen Bedingungen Fußbälle und Sportkleidung herstellen, aber es wird Mut machen, wenn Frauen sich zu leidenschaftlichen Hauptfiguren dieses Sports entwickeln, wie zum Beispiel im Film „Football Under Cover“, in dem ein Fußballspiel im Iran zur Gegenwelt wird, die schließlich alles möglich macht, wo nichts möglich scheint.

Ohne den vielzitierten Fußballgott zu bemühen, meinen wir doch in den vielen Ausprägungen des Fankultes mit seinen gemeinschaftsstiftenden Zeremonien und Ritualen immer auch eine Spur religiöser Sehnsucht zu finden. In diesem Sinne durchzieht unsere Texte solch eine Spur, ohne sie explizit zu betiteln.
Sie haben einen Zugang zum Fußball gefunden: vier Leserinnen, die aus einer sehr persönlichen Sicht etwas zu ihrem Thema „Fußball“ sagen.

Im Schlangenbiss beißt zu Urs-Adrian von Wulfen, der über Ruhm, Ehre, die verdienten Zuschauerzahlen und entsprechende Schlagzeilen rätselt, die „man“ scheinbar lesen will.

Fußball habe bei vielen Frauen einen festen Platz „in ihrem Herzen und ihrem Kalender“, so die Journalistin Nicole Selmer in ihrem Beitrag, welcher die Rollen von weiblichen Fans in der Männerdomäne Fußball beleuchtet. Dabei geht es sowohl um den Umgang mit Klischees und Sexismus, aber auch um die Eröffnung neu zu gestaltender Spielräume. Die Autorin stellt ebenfalls das Netzwerk F_in Frauen im Fußball vor, das sie gemeinsam mit anderen Fußballerinnen und fußballbegeisterten Frauen 2004 gegründet hat.

In der Fankultur kennt Sophia Gerschel sich ebenfalls gut aus und beobachtet als Mitarbeiterin im Fanprojekt des Karlsruher SC, wie Frauen sich ihren Weg in die Fußballszene bahnen. Dabei hat sie besonders die Gruppe der „Ultras“ im Blick, die sich leider in so manchen Fällen mit dezidiertem Frauenhass Identität schaffen.

Die Perspektive auf die Schattenseiten des Fußballs lenkt Kirsten Clodius von der Christlichen Initiative Romero, indem sie Einblicke in die unwürdigen Arbeitsbedingungen in der Fußballartikelproduktion gibt. Die eigene Bebilderung zu diesem Artikel veranschaulicht eindrücklich die Situation von Frauen in den Fabriken der großen Sportartikelhersteller. Für die Verbesserung dieser Zu-stände arbeitet die Kampagne für Saubere Kleidung, die in diesem Artikel ebenfalls vorgestellt wird.

Einen sportwissenschaftlichen Blick auf den Frauenfußball ermöglichen Claudia Kugelmann und Marianne Meier: Anhand von historischen und aktuellen Perspektiven wird deutlich, wie Geschlechternormen im Sport geschaffen und immer wieder reproduziert werden. Und wie solche Normen aufgeweicht und Freiräume geschaffen werden können für fußballspielende Mädchen und auch für ballett-tanzende Jungen, das wird in diesem Beitrag vor Augen geführt.

Ausgehend vom Beispiel der deutsche Nationalspielerin Lira Bajramaj zeigt Yvonne Weigelt-Schlesinger in ihrem Beitrag auf, wie sich Fußballerinnen mit Migrationshintergrund zwischen Rampenlicht und Abseits bewegen. Dabei gibt sie Denkanstöße, wie Fußballspielen die Integration von Migrantinnen fördern kann.

2011 steht für den internationalen Frauenfußball im Zeichen der Weltmeisterschaft. An den Austragungsort Deutschland binden sich große Hoffnungen für das Renommee der Sportart. Nationalspielerin Annike Krahn spricht exklusiv im Interview über ihren Weg als Profisportlerin bis zur WM 2011 und darüber hinaus.

Im Praxisteil gibt es konkrete Anregungen, wie sich in Schule und Gemeindearbeit biblische Themen mit dem Fußball verknüpfen lassen.
Wir wünschen Ihnen allen – ob fußballskeptisch oder fußballbegeistert – eine bereichernde Lektüre!

Carolin Hanke und Heike Harbecke

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