vorwort von schlangenbrut 109/110: jesus
Mit Jesus
„erfahren wir
das Heilige in, mit, durch uns“
Dieses Bekenntnis formuliert die christliche Theologin und Autorin in diesem Heft Cornelia Ginz – und so vielleicht viele (christliche) Frauen mit ihr. Verschiedene Dimensionen der Person Jesu als zentraler Figur christlicher Glaubenslehre und christlicher Identität und Praxis deuten sich hier bereits an.
Sie halten ein Heft in den Händen, auf dessen Titelblatt zu sehen ist, wie eine junge japanische Zeichnerin ihr Jesusbild entworfen hat. In diesem Sinne sollen in diesem Heft Frauen zu Wort kommen, die aus ihrer jeweiligen Perspektive – geprägt durch unterschiedlichste religiöse und kulturelle Traditionen und Kontexte – ein Bild Jesu zeichnen.
Den interkulturellen Perspektiven widmet sich der erste Teil: Unter dem Titel „Christus ohne Herrschaftsanspruch?“ wirft Sabine Plonz die Frage auf, wie eine feministisch-interkulturelle Chris¬tologie aussehen kann. Die unterschiedlichen Lebenserfahrungen asiatischer und lateinamerikanischer Menschen liegen den beiden nächsten Texten zugrunde: Nancy Cardoso Pereira und Claudio Carvalhaes widmen sich unter dem Titel „Der Körper Christi bekleidet mit unserer Liebe“ dem Zusammenhang von Mode und Kapitalismus. Meehyn Chung lenkt die Blicke auf das Zusammenspiel zwischen der Prinzessin Bari und Jesus Christus im koreanischen Christentum, das neue Möglichkeiten des interreligiösen Dialogs eröffnet.
Spezifischen Themen christologischer Entwürfe widmet sich ein weiterer Teil: „Jesus allein ist nicht genug“ – unter diesem Titel stellt Elisabeth Hartlieb heraus, worin sie die Relevanz der Chris¬tologie für eine feministisch-genderbewusste Theologie sieht. Ausgehend von den neutestamentlichen Traditionen eröffnet Claudia Janssen mit ihren Gedanken zum Abendmahl neue Perspektiven für heutige Abendmahlspraxis. Einen weiteren, ursprünglich geplanten Artikel können wir leider nicht abdrucken, da die Autorin erkrankt ist: Er sollte sich mit der feministisch-theologischen Kritik am Sühne- und Opfergedanke klassischer Kreuzestheologien befassen.
Einblicke in nicht-christliche Perspektiven bilden einen weiteren Teil unseres Schwerpunktes. Rachel Herweg beleuchtet den Juden Jesus, sein Wirken und Umfeld aus jüdisch-theologischer Sicht. Weitere interreligiöse Perspektiven eröffnet uns eine Bahai’i, die von der Vorstellung berichtet, Jesus als Manifestation Gottes einzuordnen. Hamideh Mohagheghi lenkt einen islamischen Blick auf den Propheten Jesus als Sohn Marias und seine bedeutende Stellung im Qur’an. Bezüge zum Buddhis¬mus stellt unsere Bebilderung dar: Den Manga „Saint Young Men“ mit seinen witzigen, überraschenden und skurrilen Bildern stellt Vanessa Görtz in ihrem Text näher vor.
Angesichts neuer Veröffentlichungen bzw. Neuauflagen wird derzeit die Debatte um antijudaistische Tendenzen feministischer Christologien wieder virulent. Deshalb finden Sie in dieser Aus¬gabe eine Rezension der Neuauflage des Buches „Frauen um Jesus“ von Elisabeth Moltmann-Wendel, zudem enthält die Bibliographie eine eigene Rubrik zu diesem Themenbereich.
Abschließend stellen wir ihnen Perspektiven aus der Welt des Kinos und der Literatur vor: Sofia Sjö lädt uns ein, den Erlöserinnen im Film nachzufolgen und die Bedeutung weiblicher Messias-Gestalten in ausgewählten Filmen feministisch zu reflektieren. Cornelia Ginz berichtet schließlich vom Fernstudium Feministische Theologie und schildert die Bedeutung der Sprache für die Verkündigung zur Zeit Jesu und im Hier und Heute: Sie zeigt, wie frau durch Sprache in Beziehung zu Jesus treten kann.
Wir hoffen, dieses Heft macht Ihnen Lust, sich wieder und neu mit Jesus zu beschäftigen und wünschen viel Spaß bei der Lektüre!
Rebecca Furth und Heike Harbecke








