vorwort von schlangenbrut 108: feminismus aus den usa
feminismus aus den usa
… heißt dieses Heft, weil es die vielfältigen Wechselwirkungen und Einflüsse zwischen den USA und Europa thematisieren will, die feministische Theologien auf beiden Seiten des Atlantik geprägt haben und prägen: Vielleicht hat sich manche Leserin angesichts des Todes der US-Amerikanerin Mary Daly am 3. Januar 2010 an deren bahnbrechende Bücher „Kirche, Frau und Sexus“ und „Jenseits von Gottvater, Sohn & Co“ erinnert? Umgekehrt sind bedeutende deutsche Theologinnen in die USA gegangen und entweder dort geblieben – wie etwa Elisabeth Schüssler Fiorenza in Harvard – oder mit neuen Impulsen zurückgekehrt – wie Dorothee Sölle aus New York.
In einem Mary Daly gewidmeten Artikel analysiert die Amerikanistin Jeanne Cortiel die Gemeinsamkeiten Dalys und Rosemary Radford Ruethers, einer weiteren „Klassikerin“ feministischer Theologie, als typisch US-amerikanisch und grenzt sie anhand ihrer Autobiographien von europäischen Theologinnen ab.
LaReine-Marie Mosely beschreibt Ursprünge und aktuelle Entwicklungen womanistischer Theologie. Diese Theologie afrikanisch-amerikanischer Frauen ist keine Variante feministischer Theologie, sondern ein selbständiger Ansatz mit eigenen Anliegen und Themen. Dass die hier aufgeworfenen Fragen auch von Bedeutung für Deutschland und Europa sind, zeigt Eske Wollrad auf.
Aus der Erfahrung eines Vierteljahrhunderts im Einsatz für soziale Gerechtigkeit formuliert die Franziskanerin Mary Elsbernd fünf Kennzeichen sozialer Arbeit von Frauen und legt eine Definition von Gerechtigkeit vor, die sich aus ihrem Engagement inner- und außerhalb der Universität speist. Cornelia Maier erinnert in einem Portrait an die Quäkerin und Frauenrechtlerin Susan B. Anthony (1820-1906), die sich vor mehr als 100 Jahren gemeinsam mit Elizabeth Cady Stanton für das Frauenwahlrecht einsetzte. Auch die jüdische Autorin Eva Kollisch, die 1940 in die USA emigrieren musste, engagiert sich bis heute politisch, wie Christiana Puschak darstellt.
Rabbinerin Danya Ruttenberg würdigt die Errungenschaften jüdischer feminis-tischer Theologie für die Kritik an männlichen Gottesbildern. Zugleich ist ihr Text ein Plädoyer dafür, Gott auch nicht auf die weiblichen Metaphern festzulegen, sondern offen zu bleiben für die „wirre Komplexität menschlicher Gottesbegegnungen“.
Helena Nyberg schildert Eindrücke der von Dagmar von Garnier initiierten USA-Reise zu den beeindruckenden feministischen Kunstwerken von Judy Chicago und Niki de Saint Phalle, die Sie auf den Bildern von Doris Kohn zu unserem Schwerpunkt sehen.
Viele empfinden angesichts des aktuellen Booms der „Bis(s)“-Romane und -Filme ein gewisses Unbehagen, das nicht der Angst vor Vampiren geschuldet ist. Vanessa Görtz stellt die Diskussionen um „Twilight“ vor.
Wie es bereits Tradition ist, hat Vanessa Görtz auch die Bibliografie erstellt, die den Reichtum von Themen erahnen lässt, die sich für feministisch und religiös interessierte Frauen (und Männer) in Beschäftigung mit den USA anbieten. Deshalb führen wir die Thematik ab dem nächsten Heft in einer Artikelreihe fort.
Ihnen, lieben LeserInnen, viel Vergnügen beim (Wieder-)Entdecken transatlantischer Beziehungen!
Aurica Nutt







