vorwort von schlangenbrut 107: 20 jahre wende
20 Jahre Wende
In diesem Herbst feiern wir 20 Jahre Wende. Diesem Thema widmen sich zahlreiche Dokumentationen, Spielfilme und Diskussionen im medialen Bereich.
Auch die Schlangenbrut möchte an dieses Ereignis erinnern und beleuchtet es aus feministischer, religiöser und politischer Perspektive. Frauen aus verschiedenen Ländern kommen zu Wort und berichten von ihren Erfahrungen nach der Wende. Der Blick ist hierbei nicht nur auf die DDR gerichtet, sondern auch auf Osteuropa ausgeweitet.
Als Einstieg befasst sich Ulrike Auga, Professorin für Theologie und Geschlechterstudien in Berlin, mit der Geschlechterordnung in der DDR. An einigen Einzelaspekten zeigt sie die Komplexität der unterschiedlichen Diskurse in Ost und West, in denen ökonomisches, politisches, soziales, ethisches, rechtliches, religiöses Wissen, wissenschaftliches und Alltagswissen verbunden sind und die jeweils (hierarchisches) Geschlechterwissen generieren.
Wie aus dem ehemaligen „Todesstreifen“ ein einmaliger Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten geworden ist, berichtet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND). In mehr als vier Jahrzehnten entwickelte sich das Grüne Band, der längste Lebensraumverbund Deutschlands, aus dem Schatten der innerdeutschen Grenzanlagen.
Regula Rothschuh beleuchtet in einem persönlichen Bericht die Situation von Frauen in sonderpädagogischen Arbeitsfeldern nach der Wende und erläutert, welche Herausforderungen, Probleme und Möglichkeiten sich damals ergaben. Unter dem Motto „Wenn eine alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn alle gemeinsam träumen, ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit“ engagiert sich das Ökumenische Frauenzentrum „Evas Arche“ in Berlin-Mitte seit fast 20 Jahren für Frauen. Die drei Bereiche Theologie und Spiritualität, Bildungsangebote zu einem breiten Themenspektrum und soziale Arbeit machen das besondere Profil von Evas Arche aus.
Eine Perspektive von „außen“ auf die Zeit des Mauerfalls und die daraus resultierenden Konsequenzen im politischen, sozialen und privaten Bereich bietet die österreichische Historikerin Hilde Grammel. Sie beschränkt sich hierbei nicht auf Österreich, sondern wagt einen Blick auf die aktuelle Lage von Frauen in Osteuropa und der EU.
Wie die Ereignisse des Jahres 1989 und danach den persönlichen Lebensbereich beeinflusst haben – als Individuum, als Frau, als Gläubige berichten die osteuropäischen Theologinnen Márta Bodó, Sarolta Püsök und Eva Vörös. Eine Zwischenbilanz von Frauen in den Strukturen der Religionen in Mittel und Osteuropa 20 Jahre nach der Wende zieht Elżbieta Adamiak. Sie kommt zu dem (vielleicht) überraschenden Ergebnis: Von einer Verbesserung der Situation von Frauen in kirchlichen Strukturen kann keine Rede sein.
In einem Interview stellt die Psychologin Stefanie Knorr die Arbeit von Gegenwind, der bundesweit einzigen Beratungsstelle für politisch-Verfolgte der SED-Diktatur, vor. Dabei stellt sie heraus, dass ein Verstehen der Situation von Betroffenen nur ermöglicht werden kann, wenn eine Auseinandersetzung mit den psychischen und sozialen Implikationen der Gesellschaftsstruktur stattfindet.
Einen neuen Blick auf die Wende und die Zeit danach wünschen wir unseren Leserinnen in Ost und West mit diesem Heft.
Janet Hromadko








