vorwort von Nr. 104: reisen
„Meggie blickte auf die Buchstaben, schwarz und schön. Sie suchte den Geschmack der ersten Silben auf ihrer Zunge, versuchte sie sich vorzustellen, die Welt, von der die Wörter flüsterten, die Bäume, Vögel, den fremden Himmel … Und dann, mit klopfendem Herzen, begann sie zu lesen. Nur eine Tür wollte sie aufstoßen, nichts als eine Tür zwischen den Buchstaben. Ein frischer Geruch zog ihr in die Nase, von tausend und abertausend Blättern. Dann verschwand alles, ihr Schreibtisch, die Lampe neben ihr und das offen stehende Fenster.”
aus Cornelia Funke, Tintenblut
Meggie, das kleine Mädchen aus der Trilogie „Tintenherz“ taucht ein
in eine fremde Welt. Sie liest sich in sie hinein – hinein in
zauberhafte Landschaften, Abenteuer, Farben,
Gerüche und fremde Eindrücke, die die kleine Seele des Mädchens überwältigen. Hier wird sie sich neu finden, reifen und nie wieder so herauskommen, wie sie hineingegangen ist.
Es ist eine Reise in andere Welten.
Das Heft Reisen möchte dazu einladen der kleinen Meggie nachzufolgen und in fremde Welten einzutauchen. Unsere Leserinnen können sich hineinlesen in atemberaubende Naturschönheiten, spirituelle Umgebungen, biblische Welten, jüdische Alltagserfahrungen. Sie können wandeln auf religiösen Spuren, islamischen Wegen und als Pilgerinnen durch Europa und die Welt oder in ihren eigenen Körper reisen.
Lassen Sie sich von Vera Krause verzaubern vom „Subkontinent Indien“: Ein Land, in dem die Gegensätze von Armut und Fundamentalismus auf der einen Seite und tiefer Religiosität und beeindruckender Heiligtümer und Landschaften auf der anderen Seite nicht größer sein könnten.
Folgen Sie Ihrer „spirituellen Sehnsucht“ mit Britta Hoffmann und Luise Müller: Erfahren Sie etwas über das Konzept und die AdressatInnen der SKR-Studien-Kontakt-Reisen und informieren Sie sich über die Angebote für reisende Frauen.
Tauchen Sie ein in die biblische Welt zweier Liebenden des Hoheliedes mit Janet Hromadko. In dieser Analyse wird die Flucht eines Paares aus hierarchischen Strukturen hinaus auf das Land beschrieben und einmal deutlich gezeigt, wie die Liebe durch metaphorische Sprache wunderbar untermalt werden kann.
Wir laden Sie ein sich auf den Weg zu machen und auf den Spuren Glikl bas Judah Leibs und der „religiösen Spurensucherin und Pilgerin“ Mary Anne Schimmelpennincks zu wandeln mit Rebecca Furth und Angela Berlis. Die Memoiren der Glikl gewähren Ihnen dabei einen Einblick in das Leben einer jüdischen Geschäftsfrau aus dem 17. Jahrhundert und nehmen Sie mit auf die Reisen einer autonomen Frau. So auch Mary Anne Schimmel¬penninck, die durch die Aufzeichnungen in ihrem Reisetagbuch über ihren Weg zum Kloster Port-Royal nicht nur wesentlich zur Verbreitung des Wissens über diesen Ort und dem Jansenismus in Großbritannien beitrug, sondern gleichzeitig eine Geschlechtergeschichte des Reisens eröffnet.
Brechen Sie auf zu den Ursprüngen des Islams und lassen Sie sich auf eine „Reise zum Hause Allahs“ ein. Tauchen Sie in den emotional und detailliert, dabei höchst fundiert geschriebenen Erfahrungsbericht einer Muslima ein.
Wir wollen Sie schließlich entführen in den Kontinent Europa und bekannt machen mit Pilgerinnen der vierten Egeria-Etappe mit Carola Ritter. Wandeln Sie auf den Spuren der frühchristlichen Pilgerin Egeria. Lernen Sie diese Frau und ihren ältesten Pilgerbericht im christlichen Kontext kennen, um dann einer Gruppe von Frauen zu heiligen Stätten und Orten zu folgen. Folgen Sie Anousha Zähringer in ein Praktikum ans Ende der Welt und lernen Sie die Gewürzinsel Sansibar mit all ihren Schönheiten und Wunderlichkeiten kennen. Reisen Sie mit Maírín Valdez durch die Ostergeschichte und erfahren Sie feministische Körperspiritualität unter professioneller Leitung. Erfahren Sie dabei, was es mit den Worten und Gefühlen Stärke und Wehklagen, Chaos und Schweigen, Aufrichten und Feiern auf sich hat.
Nutzen Sie dieses Heft, um sich von den wunderschönen Fotos Indiens inspirieren zu lassen, Mut zu fassen für eigene Wege und Reisen und auch, um den Erlebnissen der hier vorgestellten reisenden Frauen nachzuhängen und vielleicht vertieft nachzulesen.
Rebecca Furth/Aurica Nutt








