vorwort von Nr. 103: vernetzungen

Stricken, weben, spinnen und knüpfen sind seit Urzeiten glückbringende weibliche Tätigkeiten. Unersetzlich waren diese Handwerkskünste im Leben der Menschen, und besonders gelobt wurden jene Frauen, die sich meisterlich auf diese Fertigkeiten verstanden. Nicht umsonst finden wir in alten Märchen, Legenden, Gedichten und Liedern oft das Motiv vom Goldspinnen, Knüpfen von Lebensfäden und Weben magischer Stoffe – stets von klugen Töchtern ausgeübt oder von weisen Frauen gelehrt.

Heute stricken und weben Frauen aber zumeist an ganz anderen Dingen. Innerhalb von Haus und Garten sind es die sozialen Netzwerke, die Beziehungen zwischen Familien, Freundinnen- und Freundeskreisen, die von Frauen gepflegt und gestützt werden. In Beruf, Karriere und Öffentlichkeit sind es die vorteilhaften Beziehungen und Kontakte, die durch weibliches „Networking“ ausgebaut und genutzt werden. Für politisch und gesellschaftlich Engagierte sind es die feministischen Netzwerke, Aktionsgruppen und Bündnisse, die sich für Frauenthemen lokal und international zusammenschließen und verknüpfen.

Auch die Schlangenbrut ist in ihrer langen Geschichte zu einem großen Netzwerk geworden. Das zeigte sich nicht zuletzt bei unserer Jubiläumsfeier im August, die unter dem Motto „net(t).working“ stand. Impressionen unserer Feier und die dazugehörige Laudatio von Elisabeth Hartlieb, sowie ein Grußwort der ESWTR von Angela Berlis, finden Sie gleich zu Beginn dieses Heftes.

In einem Beitrag zum biblischen Networking widmet sich Jutta Hausmann den Frauennetzwerken im Alten Testament. Am Beispiel von Sara, Hagar, Rut und den Töchtern Lots beschreibt sie die verschiedenen Wege dieser Frauen, patriarchale Strukturen mit Hilfe von weiblicher Solidarität zu durchbrechen.

Als interkulturelles Netzwerkmodell stellt Andrea Wilden das Projekt „Lernhaus“ in Köln vor, in dem Frauen in ihrer interkulturellen Kompetenz geschult und gefördert werden. Antje Schrupp präsentiert in ihrem Artikel ein besonderes Projekt aus dem WorldWideWeb. Das Forum „beziehungsweise weiterdenken“ möchte Frauen dazu anregen, im Internet ihre feministischen, philosophischen und politischen Gedanken auszutauschen. „Sakyadthita“ ist Pali und bedeutet „Töchter des Buddha“. Wie und worüber sich die Frauen dieses großen internationalen Netzwerks auf ihrer Konferenz im Juli in Ulan Baatar ausgetauscht haben, berichtet Rotraut Wurst.

Aus der Sicht der Genderstudies liefert das „Netzwerk geschlechterbewusste Theologie“ Zündstoff für den Geschlechterdialog in den christlichen Kirchen. Tanja Oldenhage stellt die Arbeit, die Motivation und Ziele dieses Netzwerkes vor. Bei Marian Papavoine laufen die Fäden des niederländischen Theologinnen-netzwerks IWFT zusammen. In einem Gespräch mit der Schlangenbrut berichtet sie von ihrer Arbeit als „Web Spinne“ und erläutert die Bedeutung des Internets für feministische Initiativen und Diskurse. Die Begine Brita Lieb gewährt uns einen Einblick in das Leben und die Arbeit der deutschen Beginen, die sich im August in Dortmund zu einem bundesweiten Netzwerktreffen versammelt haben.

Schließlich widmet sich unser Praxisbeitrag diesmal passend zum Schwerpunkt einer Auswahl an interessanten feministisch-theologischen Netzwerken für den persönlichen Gebrauch, inklusive ihrer kurzen Beschreibung, Kontakt-adressen und Onlinepräsenz.

Wir hoffen, dieses Heft macht Ihnen Lust auf weiteres selbstständiges Vernetzen in und mit der Schlangenbrut, viel Spaß beim Lesen wünschen,

Vanessa Görtz/Janet Hromadko

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