vorwort von schlangenbrut 102: spiritualität

Spiritualität

Die Ros ist ohn warum
sie blühet weil sie blühet.
Sie achtt nicht jhrer selbst
fragt nicht ob man sie sihet.

Dorothee Sölle hat mich mit diesem Wort des Angelus Silesius vertraut gemacht. Die Rose als ein Symbol der Mystik, ein wunderschönes, wohlduftendes Hilfsmittel zur Entwicklung einer eigenen Spiritualität – sie lädt dieses Mal in den Schwerpunkt ein.

Menschen wollen wissen, woher und wohin, warum und wozu. Verschiedene spirituelle Traditionen versuchen Antworten auf diese Fragen, andere wollen lehren, ohne „warum“ zu sein. Wie sehr auch unsere Leserinnen mit den 
Fragen nach einer frauengerechten, zeitgemäßen, ganzheitlichen und unterstützenden Spiritualität befasst sind, zeigt die Entstehung dieses Schwerpunktes: Noch nie erhielten wir so viele Text-Angebote von Leserinnen wie diesmal. Danke!

In der gotischen St. Petri-Kirche in Dortmund fand ein mehrmonatiges Projekt statt unter dem Titel „Mein Gott … Spiritualität heute“. Die Initiatorinnen Almut Begemann und Barbara von Bremen schreiben über die Erfahrungen, Eindrücke und Schlussfolgerungen dieses evangelischen Projektes, das in ökumenischer und interreligiöser Weite stattfand. Die Bilder im Schwerpunkt sind alle aus St. Petri und machen auf ihre Weise die Arbeit in der Stadtkirche sichtbar.

Die Suche nach einer Spiritualität, die Körper, Geist und Seele anspricht, wird in zwei Beiträgen angesprochen. Katja Jochum stellt die Arbeit an diesem Thema innerhalb der westfälischen Frauenhilfe vor. Die zumeist älteren Teilnehmerinnen konnten dabei erfahren, dass sie selbst kompetent im Bereich Spiritualität sind. Von der Kompetenz der Frauen bezüglich des Körpers wie der Bibel gehen auch Antje Röckemann und Gabriela Jüttner aus. Sie wurden von Anke Wende zur demnächst beginnenden Jahresfortbildung „Mit dem Körper die Bibel lesen“ befragt. Elke Wagner stellt in ihrem Beitrag unterschiedliche Traditionen vor, die den Körper und den Tanz als spirituelles Ausdrucksmittel kennen.

Warum Tanz, Ekstase und kraftvolle Elemente so selten in christlich-spirituellen Angeboten vorkommen, fragt dagegen Karin Lindner in einem kurzen Zwischenruf. Die Entwicklungen und die spirituelle Wende in der kirchlichen Männerarbeit untersucht Rosel Oehmen-Vieregge in ihrem Beitrag. Der Buddhismus ist eine Weltreligion, aber hierzulande immer noch kaum in seiner Vielfalt bekannt. Zwei Buddhistinnen unterschiedlicher Richtungen stellten sich für ein Interview zur Verfügung: Die Zen-Meisterin Gundula Meyer und die Nichiren-Buddhistin Karin Badar.

Ursprünglich aus der amerikanischen Tradition der Ureinwohner kommt die Visionssuche, die Gwendolin Altenhöfer vorstellt als eine Hilfe bei der Sinnsuche, angepasst an die Bedürfnisse westeuropäischer Städterinnen. Noch älter sind die Traditionen, auf die die Astrologin Christine Lindemann sich bezieht. Ihre Predigt zur Johannesoffenbarung macht keine unseriösen Heilsversprechen, sondern stellt Astrologie als Hilfe zur Lebensgestaltung dar. Diese Predigt ist zugleich unser Praxis-Beitrag.

Aus der Fülle der Literatur zum Thema Spiritualität hat Vanessa Görtz in der Bibliografie eine Auswahl zusammengestellt.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre, vielleicht ja sogar in einem Rosengarten .

Antje Röckemann

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