vorwort von schlangenbrut 98: trauern

Trauern

„In stiller Trauer nehmen wir Abschied“, „Viel zu früh verstarb…“, „Unser Schmerz ist groß, aber die Freude mit dir gelebt zu haben, ist größer“, „Wir nehmen Abschied in tiefer Trauer und Liebe“, „Plötzlich und unerwartet ist sie von uns gegangen...“, „Viel zu früh verstarb heute unsere liebe Tochter, Mutter, Frau, Schwägerin, Tante, Cousine und Freundin“.

Solche oder ähnliche Sätze kennen Sie aus den Todesanzeigen der lokalen Presse, sie sind die Boten der Trauer und teilen uns mit, wer trauert und um wen getrauert wird. Die Anzeige teilt auch oft mit, ob alle Zeit hatten, Abschied zu nehmen oder die meisten überrascht wurden, ob der Tod als großer Schmerz oder eher als Erleichterung wahrgenommen wurde, ob es schnell ging oder lange dauerte.

Der Tod ist meistens eine traurige Angelegenheit. Er beendet Beziehungen – ungeachtet, ob alle Fragen geklärt und Streitigkeiten aus der Welt geschafft wurden. Aber welche schreibt eine Anzeige für die lokale Presse, weil sie traurig ist, dass ihre Mutter sich nicht mehr an sie erinnert, oder weil ihre lange Freundinnenschaft wegen eines Streits in die Brüche gegangen ist, oder weil sie sich ihren Kinderwunsch nun nicht mehr erfüllen kann?

Das vorliegende Heft will die vielen Dimensionen von Trauer beleuchten und die eine oder andere Anregung für eine Praxis geben, damit ein offener, authentischer, ehrlicher Umgang mit Trauer und Trauernden endlich zur Normalität gehört. Denn in einem sind sich alle Autorinnen dieses Heftes einig: Trauer gehört zum Leben

Trauern will gelernt sein, trauern braucht Raum und Zeit, traurig zu sein soll nicht verborgen und schon gar nicht versteckt oder verboten werden. Trauer ist individuell, ihre Form, ihre Intensität und ihre Dauer können nicht von außen bestimmt werden. Für einen aktiven und offenen Umgang mit Trauer und Trauernden plädieren die Autorinnen Mechthild Herberhold aus der Perspektive einer Theologin und Ethikerin und Monika Specht-Tomann aus der Perspektive einer Psychologin.

Hier gibt es einen Ort zum Abschied nehmen: Das Institut der beiden Bestatterinnen ist nicht unbedingt das, was man erwartet. Warum Lindy Ziebell und Monika Noller es an der Zeit fanden, ein eigenes Bestattungsinstitut zu eröffnen, wie sie Angehörigen Raum für Trauer und Abschied gewähren können und wie sie sich ihre eigene Beerdigung vorstellen, erzählen sie im Gespräch mit Nele Winkel. „Bleibe bei uns…“ ist die Beerdigungsansprache für eine 89jährige Frau betitelt, in der Martje Röckemann zugleich eine Art Leitfaden für die Trauerarbeit der Angehörigen entwickelt.

Die Zeremonie nach dem Tod der Mutter eines Königs in Kamerun beschreibt die Journalistin und Fotografin Renate Hofman als ein großes Fest des Lebens. Von ihr sind auch die Fotos im Schwerpunkt-Teil, die Einblick geben in den bewusst gestalteten Abschied von Elisabeth Schmitt.

Mit Trauer konkret umzugehen, davon berichten die Beiträge von Geertje-Froken Bolle, Christiane Bastian und Julia Strecker. Trauer und Schuld hängen eng zusammen im Leben der Inhaftierten einer Haftanstalt, sie selbst erzählen, was sie traurig macht und die Seelsorgerin Christiane Bastian berichtet von den begrenzten Möglichkeiten, in einer Haftanstalt mit den vielen Formen der Trauer der Gefangenen umzugehen und sie zu begleiten. Julia Strecker gibt uns ein Beispiel aus ihrer pastoralen Praxis und zeigt damit eine Möglichkeit auf, Trauer und noch ungelöste Konflikte nach dem Verlust eines Menschen aktiv anzugehen. Das tägliche Abschiednehmen ist im Umgang mit Demenzkranken traurige Realität. Geertje-Froken Bolle schlägt 
einen Perspektivwechsel vor: Den Fokus auf die Lebensmöglichkeiten zu richten, gibt allen Beteiligten mehr Würde und lässt uns nicht vergessen, dass sich in jedem Menschen Gottes Angesicht spiegelt.

Christina Leiserings Bibliographie will Sie, wie immer, anregen weiter zu lesen und am Thema zu bleiben. Hier finden Sie Hinweise auf Literatur zu biblischer Trauer, Trauer um Angehörige und Praxisanleitungen.

Christine Hoefermann/Nele Winkel

Theologie in Bewegung Ev. Frauen in Hessen und Nassau Frauenmahl - Tischreden zur Zukunft von Religion und Kirche Koesel-Verlag Frauenbuchladen Thalestris Online-Magazin für Frauen http://gleichgueltig.info
Hier könnte Ihr Logo stehen!
Setzen Sie sich mit anzeigen@schlangenbrut.de
in Verbindung.