vorwort von schlangenbrut 1

Schon wieder 'ne neue Frauen-Zeitung...?

Wir, die Frauen aus der Redaktionsgruppe, repräsentieren ein Dilemma: unserem feministischem Selbstverständnis nach begreifen wir uns als Teil der autonomen Frauenbewegung - gleichzeitig sind wir 'Theologinnen', evangelische und katholische und bestimmen von jeweils sehr unterschiedlichen Standorten aus kritisch zu diesen Kirchen. (Daß wir nicht mit 'Kollektivzwang' arbeiten, werdet Ihr/Sie schnell an den Artikeln sehen - und das entspricht unserer Absicht - siehe dazu "Wir Redaktionsfrauen")

Unsere Situation spiegelt deutlich umso mehr Zerrissenheit wider, je dichter wir in oder mit der Institution Kirche zu tun haben: unsere Möglichkeit in der Kirche zu arbeiten wird zunehmend geringer, je konsequenter wir feministisch denken und handeln.

Die Erfahrung eines Verlustes spüren wir wiederum da, wo wor die Kirchen und ihre 'religiösen Angebote' bereits verlassen haben und keinen neuen Raum für die Erfüllung unserer religiösen und spirituellen Bedürfnisse finden können. Andere, von Frauen für Frauen wieder-ent-deckte Ausdrucksformen und Symbole sind entweder negativ besetzt oder noch kaum kommunikabel.

Einige von uns wollen bewußt an Elementen des ursprünglichen Christentums festhalten - andere haben den Bruch mit Kirche und dem, was dazu gehört, vollzogen und befinden sich in einer Phase der Neuorientierung.

In diesem Konfliktfeld zwischen Kirche und Frauenbewegung, zwischen bewußt in der Kirche bleiben und schon auf der Suche nach weiblicher Spiritualität zu sein, laufen unsere Diskussionen und versuchen wir auch untereinander Balance zu halten.

Damit sind gleichzeitig unsere Zielgruppen umrissen:

- Wir möchten zum einen diejenigen Frauen im kirchlichen Bereich ansprechen, die Unbehagen spüren, deren feministisches Bewußtsein sich bereits entwickelt hat und wächst, und die gleichzeitig entdecken, daß die ihnen von den Kirchen zugewiesenen Rollen weder angemessen noch ursprünglich christlich sind und nicht zuletzt darum auch veränderbar.

- Eine andere Zielgruppe könnten Frauen aus der Frauenbewegung sein, die Interesse daran haben, ihre religiöse Sozialisation aufzuarbeiten und über feministisch-theologische Fragestellungen zu diskutieren. (und wenn es denn zum Kirchenaustritt führt, why not?).

- Die für uns schierigste Zielgruppe (weil wir selber noch eher sprachlos als erfinderisch sind) sind die Frauen, die unabhängig von Kirche und christlichen Traditionen eigenen Spiritualität entdecken und gestalten wollen (= religiöse Selbstversorgerinnen). Wobei wir uns bewußt sind, daß gerade für Frauen, die mutig und hurtig jegliche Religion verwerfen und lächerlich finden, 'Spiritualität' ein heißes Eisen ist.

Inhaltlich soll es in unserer Zeitung um folgende Punkte gehen:

- Die feministisch-theologische Diskussion soll weitergeführt werden (Standortbestimmung, Theoriebildung, Forschungsergebnisse).

- Wir denken an Arbeitshilfen wie Literaturhinweise, Kontaktadressen, Kurzvorstellung und Examensarbeiten.

- Wir wollen Frauenprojekte im kirchlichen Bereich vorstellen (zwecks Beteiligung bzw. Nachahmung).

- Rezensionen, Gedichte, Nachrichten und natürlich (nicht zu wenig) Satirisches soll vorkommen.

- Außerdem Informationen über die Diskussion und Praxis weiblicher Spiritualität und Informationen über und Übersetungen zu diesem Thema aus dem Ausland.

Insgesamt wollen wir hier vor allem ein Forum schaffen, an dem sich Frauen mit eigenen Beiträgen, Artikeln, Gedichten usw. beteiligen können und sollen. Wir wollen also nicht nur selbst schreiben!!!!!!!!!! Programmatisch soll das in unserem Untertitel "Streitschrift" zum Ausdruck kommen.

Wir vermuten, dass viele Frauen "ihre" Artikel und Gedichte in Schreibtischschubladen und in Tagebüchern versteckt halten: die auf Anhieb bei uns eingegangenen 'Geheimhaltungen' (Artikel und Gedichte) sprechen Bände davon, daß sich gerade die Frauen artikulieren wollen, die sich entweder berufsmäßig oder aus anderen Gründen mit christlicher Tradition in Auseinandersetzung befinden, ihre wirklichen Gefühle und Meinungen aber kaum öffentlich machen können.

Trotz Courage und Emma, regionaler Frauenzeitungen und diverser Frauenzeitschriften im kirchlichen Bereich fehlte uns seit geraumer Zeit ein Medium, das uns ermöglicht, eben diese Themen zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Innerhalb dieser Streitschrift könnte - und wenn mit dem Mittel des Pseudonyms - eine Kontaktmöglichkeit entstehen, die unsere oft als sprachlos empfundene Erfahrung aufhebt oder wenigstens transparent macht.

Also Frauen, schickt Eure Artikel, Eure Erfahrungen, Eure Gedichte, Euren Zorn, Eure Meinung!!!!!!!

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floh

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